Frauen in der Architektur

Frauen in der Architektur

Architektinnen stehen häufig im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Und das obwohl heute mehr Frauen Architektur studieren als Männer. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Frauen im Berufsfeld der Architektin überhaupt nicht öffentlich bekannt. Auch wenn die Reformbewegung und ihre Emanzipationsbestrebungen Ende des 19. Jahrhunderts den Frauen einen Zugang zur Architektur ebneten. Was vor 100 Jahren schon kaum möglich war – eine berühmte Architektin zu sein – ist bis heute nicht anders. So war es Zaha Hadid, die 2004 als erste Frau den Pritzker-Preis erhielt, den Oscar für Architektur – die weltweit höchste Anerkennung. Erst 2010 nach 31 Männern und eben nur dieser einen Architektin ging die Auszeichnung wieder an eine Frau: Kazuyo Sejima.

Um 1900 traten erstmals Frauen in Deutschland der damaligen gesellschaftlichen Auffassung entgegen, „dass sich die Arbeit eines Architekten nicht mit Weiblichkeit vertragen würde“. Sie forderten das Recht auf eine universitäre Ausbildung und erreichten bis 1909, dass technische Universitäten in Deutschland auch Frauen zum Studium zuließen. Dennoch blieb es schwierig als Frau einen Arbeitsplatz in der Architektur zu finden. Ihre Tätigkeiten verlagerten sich auf Bereiche, die mit gesellschaftlichen Geschlechtervorstellungen vereinbar schienen. Ihre Entwurfsbeiträge betrafen hauptsächlich das Mobiliar und die Innenausstattung. Ein Gebiet, das man den Frauen wohl eher zutraute, zumal sie meist Kunstgewerbe oder bildende Künste studiert hatten. Ab den 1920er Jahren war es üblich für Architektinnen mit einem männlichen Partner zusammenzuarbeiten, um an bedeutenden öffentlichen Projekten beteiligt zu sein. Bekannte Frauen wie Charlotte Perriand oder Lilly Reich starteten ihre beruflichen Laufbahnen im Atelier von Le Corbusier und Mies van der Rohe. Frauen wie Eileen Gray, die beruflich eigenständig arbeiteten, waren die große Ausnahme. Die Frage der finanziellen Unabhängigkeit, um die Berufswünsche zu verwirklichen, war eine nicht unerhebliche. 

Heute wird das Copyright bei vielen Entwürfen von Le Corbusier und Mies van der Rohe diskutiert. Waren sie bisher die großen Namen hinter bekannten Entwürfen wie der Chaiselounge LC 4 oder dem Barcelona Sessel, so hat die Forschung erkannt, dass die Ideen der weiblichen Kolleginnen den bedeutenden Anteil am Entwurf ausmachten. Auch wenn die Möbelstücke weiterhin mit den großen Namen der Architekten aus Marketinggründen verkauft werden. Die Arbeit von Charlotte Perriand und Lilly Reich haben maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Architektur genommen, mit denen aber Le Corbusier und Mies van der Rohe berühmt geworden sind. Ihre Leistungen sind gleichbedeutend, erst ihre Zusammenarbeit prägt die Architektur der Zeit. Doch wenigen Frauen gelingt es, ihren eigenen unabhängigen Weg zu gehen. Partnerschaften wie bei Ray und Charles Eames oder heute beim Architektenduo Sauerbruch Hutton scheinen eher der Erfolgsgarant in diesem männerdominierten Beruf zu sein. Sich hier durchzusetzen ist noch heute die größte Hürde, die Frauen nehmen müssen. Ein Umstand, der über 100 Jahre nach Zulassung zum Architekturstudium, den Blick auf die Architektur verändern muss. Vor allem den männlichen.

Vortragsreihe über Lilly Reich, Eileen Gray, Charlotte Perriand, Ray Eames, Luisa Hutton, Kazuyo Sejima.

Nächste Online-Vortragsreihe ab Oktober 2024 mit Dr. Petra Kissling-Koch und Dr. Kaija Voss in Kooperation mit der Münchner Volkshochschule. Bei Interesse bitte kontaktieren unter: film-architektur@outlook.de

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